Vogel des Jahres 2013:

Mit freundlicher Genehmigung des schweizerischen Vogelschutzes SVS-Birdlife (www.birdlife.ch)

 Der Pirol

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Porträt des Pirols

 

Der Pirol braucht strukturreiche, alte Laubwälder mit einem grossen Insektenreichtum als Lebensraum. Er bevorzugt daher alte Eichen- und Auenwälder. In Mischwäldern können mit einem guten naturnahen Waldbau für die Biodiversität auch weitere Lebensräume für den Pirol bereitgestellt werden. Wichtig sind dort die Förderung alter, grosskroniger Laubbäume mit Licht und blütenreiche Wiesen und Wegränder in und um die Wälder, welche eine grosse Insektenvielfalt beherbergen.

Unsichtbare Goldamsel

Pirole treffen Anfang Mai aus Afrika kommend in der Schweiz ein. Schwarze Flügel auf sonnengelbem Körper und ein roter Schnabel sind die Merkmale des Männchens. Trotz des auffälligen Gefieders ist der Vogel hoch oben im grünen Blätterdach des Waldes nur schwer zu sehen. Das brütende Weibchen ist durch seine olivgrüne Oberseite und grau-bräunliche Flügel und Schwanzfedern getarnt. Nur die Brust ist weiss mit dunklen Sprenkeln. Ältere Weibchen können ebenfalls fast so gelb wie junge Männchen werden. Der Gesang, ein flötendes "didilüoh", unterscheidet sich deutlich von dem anderer Vögel in Mitteleuropa. Ein kreischender, heiserer Ruf ist nur bei Störungen oder Erregungen zu hören. Den Namen "Regenkatze" verdankt der Pirol seiner Eigenheit, selbst noch bei schwülem Wetter, z.B. kurz vor einem Sommergewitter, zu singen. Nach dem Volksglauben kündet er so Regen an.


© Stefan Rieben
Pirole sind trotz des auffälligen Gefieders nur schwer im Kronendach zu entdecken. Links ein Männchen, rechts ein Weibchen.

Dank roten Kirschen ein gelber Vogel

Der Pirol bevorzugt als Nahrung Schmetterlinge aller Art und deren Raupen. Er reichert seinen Speisezettel aber auch mit  anderen Insekten an wie Ameisen, Heuschrecken und diversen Käfern sowie Spinnen. Eine besondere Vorliebe hat der amselgrosse Vogel zudem für Kirschen. Darum befindet sich in einem Pirolrevier fast immer ein Kirschbaum. Pirole fressen Kirschen auch als Grundnahrungsmittel und verfüttern sie an ihre Jungvögel, wenn Insekten infolge kühler Witterung knapp werden. Zudem beinhalten die roten Früchte Karotinoide, die zum Gelb der Federn beitragen. Auch während des Zuges ernährt sich der Pirol gerne von Früchten.

Insektenreiche, alte Laubwälder gefragt

Wenn der Pfingstvogel, wie er im Volksmund wegen seiner Ankunft um Pfingsten herum auch genannt wird, Anfang bis Mitte Mai in der Schweiz ankommt, sucht er sich ein insektenreiches Laubwaldgebiet, oftmals mit angrenzenden, blütenreichen Wiesen bis in etwa 600 Meter Höhe. Alte Eichen- und Auenwälder werden dabei bevorzugt, da sie einen grossen Artenreichtum aufweisen und von unzähligen Insekten besiedelt werden.  In der Schweiz brüten jährlich 1000-2000 Pirolpaare.


© SVS
Der Pirol braucht alte, insektenreiche Laubwälder mit breiten, blumenreichen Weg- und Waldrändern

Künstlerischer Nestbauer

Wenn sich ein Paar gefunden hat, beginnt das Weibchen mit dem Bau des Nests. Dieses wird mit Gräsern und Rindenstücken in eine meist waagrechte Astgabel geflochten. In das fertige sehr stabile Nest legt das Weibchen 3-4  dunkel gepunktete Eier, aus welchen nach 15 Tagen die Nestlinge schlüpfen. Nach bis zu 20 Tagen intensiver Fütterung verlassen die kletterfreudigen Jungvögel schliesslich in Begleitung der Eltern das Nest und bereiten sich durch Anfressen eines Fettpolsters auf den Wegzug vor.

Ausdauernder Langstreckenzieher

Anfang August machen sich die Pirole bereits wieder auf den bis zu 11'000 Kilometer langen Weg in den Süden. Die Reise führt sie im Herbst meist erst nach Südosten und schliesslich über das Mittelmeer nach Afrika, wo sie die Sahara durchqueren. Die ersten Winterquartiere finden sich in der Zentralafrikanischen Republik und in Kamerun. Der grösste Teil der Vögel zieht allerdings noch bis nach Südostafrika weiter, wo sich das grösste Überwinterungsgebiet von Kenia und Uganda bis nach Südafrika erstreckt. Zusammen mit afrikanischen Pirolarten halten sie sich in eher offenen Baumsavannen und Galeriewäldern auf.


© SVS
Das grösste Winterquartier des Pirols befindet sich in Südostafrika in eher offeneren Wäldern und Baumsavannen.

Botschafter für Waldwirtschaft mit viel Biodiversität

Der Pirol ist auf der Roten Liste (noch) nicht als bedroht eingestuft, leidet aber unter den Rückgängen von Lebensräumen in der Schweiz und in Afrika. In Mitteleuropa liegen die Ursachen in der Zerstörung von Auenwäldern, der intensiven Nutzung des Kulturlandes um die Wälder herum und in einem Mangel an alten Laubwäldern. Die Auflichtung des Kronenbereichs durch Schadstoffe hat Auswirkungen auf den Bruterfolg. Die Winterquartiere in Afrika sind durch Abholzung oder Brandrodung der Wälder und Überweidung der Baumsavannen bedroht. An deren Stelle werden Palmöl- und zunehmend auch Sojaplantagen angebaut. Nachhaltige, pestizidfreie Landwirtschaft in Afrika, keine Nutzung von Tropenhölzern und die Erhaltung und Förderung insektenreicher Wälder mit alten Bäumen im Rahmen des naturnahen Waldbaus in Europa sowie der Schutz inbesondere von Eichen- und Auenwäldern sind Schutzmassnahmen für den Pirol.