Vogel des Jahres 2014:

Mit freundlicher Genehmigung des schweizerischen Vogelschutzes SVS Birdlife (www.birdlife.ch)

Waldohreule

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Porträt der Waldohreule

 

Die Waldohreule, Vogel des Jahres 2014 des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz, braucht halboffene Lebensräume. Sie liebt insbesondere fliessende Übergänge zwischen Wald und Kulturland mit lichten Waldpartien, Magerwiesen sowie Hecken- und Obstgartenlandschaften im angrenzenden Kulturland. Sie brütet im Waldrandbereich und in Feldgehölzen und jagt im Kulturland vor allem Feldmäuse.

Häufig, aber unsichtbar

Die Waldohreule ist eine der häufigsten Eulenarten der Schweiz. Sie brütet im Mittelland und im Jura sowie in den Alpentälern bis gegen 1500 Meter Höhe. Doch kaum jemand sieht sie aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise. Erst in der Dämmerung wird sie aktiv und geht auf Mäusejagd. Den Tag verschläft sie auf einem Baum sitzend. Mit ihrem gelblichbraunen Gefieder mit einer dunklen rindenähnlichen Marmorierung ist sie dabei gut getarnt. Ihr leiser, rauer Ruf, ein kurzes „Hu“, ist nicht weit zu hören. Im Winter finden sich bis zu einem Dutzend Waldohreulen auf dem gleichen Schlafbaum ein. In strengen Wintern suchen sich Waldohreulen auch Schlafbäume im geschützteren Siedlungsraum.

© Thomas Schäfer
Waldohreulen haben im Winter gemeinsame Schlafbäume.

Ohren, die keine Ohren sind

Besonders auffällig und namensgebend an der Waldohreule sind die grossen, oft aufgestellten Federohren. Entgegen der Bezeichnung dienen diese aber nicht zum Hören. Die Eule setzt sie zusammen mit ihrem Gesichtsschleier vor allem für ihre Mimik ein. Steil aufgerichtete Ohren weisen auf eine Beunruhigung hin. Als einzige Vogelfamilie haben die Eulen beide Augen vorne im Gesicht wie der Mensch. Dank 14 Halswirbeln und einer enormen Drehfähigkeit derselben können Eulen den Kopf aber bis 270 Grad drehen. Somit können die Eulen sogar sehen, was hinter ihrem Rücken passiert ohne ihren Körper drehen zu müssen.

© Marcel Ruppen
Die auffälligen Federohren haben keine akustische Funktion. Die Waldohreule benutzt sie für ihre Mimik.

Je mehr Mäuse desto mehr Junge

Die Fortpflanzung der Waldohreulen ist stark mit der Grösse der Mäusepopulation gekoppelt. In guten Mäusejahren legt die Waldohreule bereits Ende Februar 6-8 Eier, in durchschnittlichen Jahren erst ab Mitte März 3-5 Eier. Die Jungen schlüpfen nach 25-30 Tagen und verlassen nach 2-3 Wochen noch flugunfähig und im Daunenkleid das Nest. Dann hocken sie als sogenannte Ästlinge auf Baum-ästen und regen ihre Eltern mit einem hohen Fiepen zum Füttern an. Erst ab der 10. Woche können sie selber jagen.


© Ricarda Krüger
Die Anzahl der Jungen hängt von der Mäusepopulation ab. In sehr guten Jahren sind es 6-8, in normalen 3-5 Jungtiere.

Gewiefte Jägerin, einseitiges Menu

Die Waldohreule ist eine vorzügliche Jägerin. Ihr Erfolgsrezept liegt wie bei allen Eulenarten in ihrem einzigartigen Gefieder, welches einen nahezu geräuschlosen Flug erlaubt. Ein samtiger Bewuchs auf den Federn und gezahnte Ränder verwirbeln die Luft, so dass keine Fluggeräusche entstehen. Ihre Beute spürt sie mit ihrem guten Gehör auf. Zu 90% frisst die Waldohreule Feldmäuse. Sie verschmäht aber auch Vögel, Amphibien und Reptilien nicht.

Der Lebensraum der Eule verschwindet still und heimlich

Früher waren die Übergangsbereiche zwischen dem Wald und den Ackerflächen sehr vielfältig. Lichte Waldpartien, Hecken, Feldgehölze und Obstgärten mit Magerwiesen dazwischen boten der Waldohreule optimale Lebensräume. Heute sind der dichte Hochwald und das intensiv genutzte Kulturland meist messerscharf abgegrenzt. Die einstmals breite Übergangszone ist auf eine Linie zusammengeschrumpft. Damit verschwindet aber auch der Lebensraum der Waldohreule und zahlreicher weiterer Tier- und Pflanzenarten. Halboffene Lebensräume sind sehr artenreich.


© SVS
Die Waldohreule braucht einen halboffenen Lebensraum mit Wiesen, Weiden, Wald und Hecken.

Förderung von Übergangsbereichen Wald - Kulturland

Lichte Wälder und strukturreiches Kulturland können zusammen wieder ausreichend grosse Lebensräume bilden für Waldohreulen und viele andere Tier- und Pflanzenarten, wenn sie je mindestens 100- 200 Meter breit und einige Hundert Meter lang sind. Gebietsweise gibt es noch entweder lichte Wälder oder strukturreiches Kulturland. Die Kombination von beidem kann der Waldohreule und vielen weiteren Arten zu neuem Lebensraum verhelfen. Energieholznutzungen und Beiträge in der Landwirtschaft sind jetzt wieder eine Chance, solche Lebensräume neu zu schaffen.