Vogel des Jahres 2021: Steinkauz

Der Steinkauz, Vogel des Jahres 2021, lebte Jahrhunderte in enger Nachbarschaft mit dem Menschen. Durch ­Überbauung und vor allem durch Intensivierung der Landwirtschaft schwanden seine Lebensräume in den letzten Jahrzehnten ­dramatisch. So wurde die kleine Eule rar. Dank vereinter Bemühungen von BirdLife Schweiz und zahlreichen Partnern konnte das Aussterben in der Schweiz gerade noch verhindert werden. 

Aus dem Leben des Steinkauzes

Porträt

Charakterkopf der Hochstammobstgärten
Der Steinkauz ist eine 22 cm kleine Eule und wiegt etwa 200 g. Er hat einen Charakterkopf: kennzeichnend für das ausdrucks­starke Gesicht sind cremefarbene Überaugenstreifen und gelbe Augen. Als ursprünglicher Bewohner des Mittelmeerraums und der Steppen und Halbwüsten Asiens hat er Mitteleuropa als typischer Kultur­folger erst mit dem Menschen besiedelt. In der Schweiz trifft man ihn ­heute noch in den Hochstammobstgärten der Ajoie, den Eichenhainen des Kantons Genf, den Niederungen des Tessins und ­vereinzelt auch im Berner und Freiburger Seeland an.



Kulleraugen mit stechendem Blick prägen den Charakterkopf des ­Stein­kauzes. Foto: Patrick Donini 

Lebensweise
Der Steinkauz ist ganzjährig im selben Revier anzutreffen. Er ist nachtaktiv, kann aber auch tagsüber beobachtet werden. Er stellt  kleinen Nagern und Gross­insekten nach, im ­Winter weicht er auch auf ­Kleinvögel aus. Meistens jagt er von Sitzwarten aus seine Beute am Boden und kann dort auch zu Fuss unterwegs sein.
Steinkäuze sind Höhlenbrüter, die gerne in alten Obstbäumen oder sonstigen Hohlräumen wie z. B. in Mauernischen brüten. Bereits ab Februar grenzen sie ihr Territorium mit Balzrufen ab. Als Teil der Balz legt das Männchen Nahrungsdepots in der Bruthöhle an. Das Weibchen legt 3-5 weisse Eier, aus denen nach 22-30 Tagen die Jungen schlüpfen. Diese verlassen nach rund 20 Tagen schon die Höhle bevor sie flugfähig sind. Ab August werden sie von den Altvögeln aus dem Revier vertrieben und suchen sich im Umkreis von einigen Kilometern ein neues Revier.



Auch ausserhalb der Bruthöhle werden junge Steinkäuze (rechts) noch ­gefüttert. Foto: Horst Jegen

Bestandsentwicklung
Die Bestände von vermutlich mehr als 800 Brutpaaren in der ­ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ­erfuhren ­einen dramatischen Einbruch ab den 50er und 60er Jahren. Vor ­allem durch Rodung von Hochstammobstgärten in den Dorf­randlagen und die Intensivierung der Landwirtschaft wurden in den letzten Jahrzehnten viele Lebensräume des Steinkauzes ­zerstört. ­Anfang der Nullerjahre überlebten in der Schweiz nur noch ­kleine Rest­populationen von ca. 50 - 60 Brutpaaren. Durch vereinte Schutz­aktivitäten von BirdLife Schweiz und seinen Partnern ist der Bestand bis 2020 ­wieder auf erfreuliche 149 Reviere angestiegen.

Förderung
Fördermassnahmen für den Steinkauz umfassen ein ganzes Massnahmenpaket. Bestehende Hochstammobstgärten und Eichen­haine müssen erhalten und wieder Jungbäume gepflanzt werden. Ein ­vielfältiges Mosaik aus extensiven Wiesen mit unterschiedlichen Schnittzeitpunkten und Weiden muss im Obstgarten gefördert ­werden. Lückige Vegetation und zahlreiche Kleinstrukturen sind weitere wichtige Lebensraumelemente. Nisthilfen können fehlende natürliche Höhlen im Kulturland ausgleichen.
  



Steinkauz vor einer mardersicheren Nisthilfe im Hochstammobstbaum. Foto: Pröhl/fokus-natur.de

Eine Zukunft durch Ökologische Infrastruktur
Der Steinkauz benötigt für sein langfristiges Überleben ­geeignete Kerngebiete, in denen sich Populationen ­erfolgreich ­fortpflanzen können. Vernetzungsgebiete müssen darüber hinaus ­einen ­Austausch zwischen den Populationen ermöglichen. Die Kern- und Vernetzungsgebiete brauchen einen langfristigen Schutzstatus, denn die Bäume werden erst nach Jahrzenten für die Käuze attraktiv. Sie müssen also in Richt- sowie Bau- und Nutzungsplänen gesichert werden. Geeignete Hochstammobstgärten und andere Steinkauz­lebensräume dürfen nicht in Bauland umgewandelt werden.

Problematische Agrarpolitik
Weitere grosse Herausforderungen liegen in der Aufwertung der ­Lebensräume im Landwirtschaftsgebiet. Viele Landwirte sind zwar offen, sich für den Steinkauz einzusetzen. Jedoch sieht die Agrar­politik momentan nur für einen Teil der nötigen Mass­nahmen ­Abgeltungen vor und weist noch zu viele biodiversitäts­schädigende Subventionen auf. Für eine ­kontinuierliche Erholung des ­Bestands müssen die bestehenden Lebensräume ­weiter konsequent ­geschützt, ergänzt und aufgewertet werden.



Alte und neue Hochstammobstbäume in einem Mosaik aus Wiesen, ­Weiden, Sitzwarten und weiteren Kleinstrukturen: ein idealer Steinkauz-Lebensraum. Bild: Jonas Landolt

Mit freundlicher Genehmigung von BirdLife Schweiz